Messehalle H3A - Frankfurt am Main

Markt und Messe sind Orte der Kommunikation und des Austauschs auf geschützter, offener und damit variabel zu nutzender Fläche. Früher, sehr viel früher spannte man einen temporären Wetterschutz, baute seinen Stand darunter, legte die Waren aus, und der Handel konnte beginnen. Diesem Prinzip Regenschirm folgten noch viele Ausstellungs- und Verkaufshallen der Neuzeit, etwa Eduarde Torrojas Markthalle in Algeciras (1933) oder die "umgekehrten Blumenschalen", jene zahlreichen Garten-Center von Heinz Isler aus den zurückliegenden Jahrzehnten. Mittlerweile stellen Messehallen eine großstädtische, verdichtete und technisch gerüstete Apparatur dar, die den vielfältigen Bedürfnissen an einen zeitgemäßen, global ausgerichteten Betrieb gewachsen sein müssen. Die Architektur vermag dabei als kommunikationsfördernde Plattform zu dienen.

Für die Frankfurter Messegesellschaft bot sich Anfang August 1999 eine einmalige Chance zum Ausbau, als das benachbarte Gelände des Güterbahnhofs zur Umnutzung anstand. Das Unternehmen konnte sich einen Teil des kernstadtnahen Areals sichern, und für den Auftakt wurde der Brite Nicholas Grimshaw beauftragt, ein Spezialist für große, universell nutzbare Räume. Grimshaw ist ein Mittler, der den Dialog unter Menschen fördert, und seine Bauten spielen den Dolmetscher: Bahnhof, Supermarkt, Forschungs- und Produktionseinrichtung, Verlagsgebäude, Schaugewächshaus, Sport- bzw. Messehalle. Auch die Funktionen der neuen Halle 3 sind dem Austausch gewidmet, dem Austausch von Ideen und Waren.

Grimshaw hat eine professionelle Antwort auf die hohen Anforderungen in Frankfurt gegeben: auf die Dimensionen der Baumaßnahme, die zwingenden logistischen Bedingungen und nicht zuletzt den extremen Termindruck. (Die Halle konnte in der rekordverdächtigen Zeit von nur 16 Monaten errichtet werden.) So wurde dem Wichtigen der Vortritt vor dem Wesentlichen gelassen. Letzteres bleibt trotzdem überall spürbar. Mehr noch, Grimshaws nautische Prägung hat - in unterschiedlicher Formulierung - schon etlichen Projekten frischen Wind beschert, und ein Hauch davon weht jetzt auch in der Stadt am Main. Die neue Halle 3 glänzt als Flaggschiff in der Armada der Messebauten, ausgerichtet auf den Ankerplatz, die Agora, mit Laufsteg zur »Via Mobile«, dem Transportband für die Messegäste. Als Besucherterminal füngiert das beigestellte »Forum« (KSP Engel und Zimmermann, Frankfurt, 2001).

Tapfer hat die alte Halle 3 mehrere Jahrzehnte durchgehalten und musste doch der neuen weichen. Diese - dreifach größer - geizt nicht mit ihren Formen. In einem Gürtel, der den Bauch auf drei Seiten umschließt, sind die Zusatzeinrichtungen und Versorgungszentralen konzentriert (Foyer, Restaurant, Mietbüros, Konferenzboxen, Internet-Inseln, Lagerflächen, Technik), eine Anordnung, die rasches Be- und Entladen der 40000 Quadratmeter »Laderaum« erlaubt.

Allein für Kabel und Lüftungsrohre gibt es Tunnel mit 25 Metern Breite. Die hier gebündelte Leistung wird in der Halle kaum sichtbar verteilt. Was sich im Bauch des Schiffs als unauffälliges Arrangement von dienenden und bedienten Funktionen vollzieht, erhält mit dem Dach einen öffentlichkeitswirksamen Auftritt. Da schlägt Grimshaws maritime Brise der Schwerkraft ein Schnippchen. Grimshaw, Bau-Künstler und ingeniös entwerfender Architekt, löst die unerbittlichen Kräfte in ein optisch wirksames Spiel aus Druck- und Zugelementen auf. Das hart arbeitende Tragwerk tritt auf 200 Metern freier Spannweite in einen Dialog mit der Schwerkraft. Grimshaw spricht bescheiden von »linked canoes« als Prinzip für die enorme Konstruktion. Früher, sehr viel früher begrüßte ein Wahlspruch über dem Eingang den eintretenden Gast. Für die neue Messehalle 3 könnte er lauten: größer-weiter-global.

Quelle: "Architektur Jahrbuch" 2001

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Messehalle H3A, Frankfurt am Main 8.46 MB