Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim: markante Dachkonstruktion

Nach nur zwei Jahren Planungs- und Bauzeit wurde die Rhein-Neckar-Arena am 24. Januar 2009 eröffnet. Das Stadion ist wie die Erfolgsgeschichte von 1899 Hoffenheim eine Besonderheit. Ob das schwebende Dach, die stützenfreie Sicht, die steilen Zuschauerränge oder die topografische Verankerung - das Stadion des Herbstmeisters 2008 der Bundesliga verfügt über zahlreiche Highlights.

Mit der Eröffnung beginnt lt. TSG 1899 Hoffenheim „eine neue Zeitrechnung". Dabei ist es erst gut zwei Jahre her, dass sich der Fußballclub für einen Stadionneubau entschied. Das Architekturbüro agn Niederberghaus & Partner aus Ibbenbüren konnte in einem konkurrierenden Workshopverfahren seinen Entwurf durchsetzen und zeichnet für die Planung verantwortlich. Die organische Einbettung des Baus in die vorhandene Topografie ermöglicht nach Ansicht der Architekten eine besondere Organisation und Erschließung. So werden die Zuschauer ebenerdig zu ihrem Block oder ins Stadioninnere geführt. Weitere Erschließungstreppen sind hier nicht notwendig, ein sicherheitstechnischer, wirtschaftlicher und gestalterischer Vorteil.

Das sportliche Ziel des Bauherrn lautete: Planung, Ausführung und Fertigstellung des Stadions innerhalb von 24 Monaten. Nur die interdisziplinäre Bearbeitung durch einen Generalplaner, die überlappende und parallele Bearbeitung in verschiedenen Leistungsphasen und Disziplinen machte diesen Zeitplan überhaupt möglich. Nach zwei Monaten wurde die Genehmigungsplanung eingereicht und nach vier Monaten bereits mit dem Bau begonnen. Das neue Stadion fasst 30150 Zuschauer (21000 Sitzplätze, 9150 Stehplätze), verfügt über einen Business-Club mit 1364 Business-Seats und 40 Business-Logen, eine Fankneipe mit 450 Plätzen und 5000 Parkplätze in unmittelbarer Stadionnähe.

Professionelle Bauausführung

Markantes Wahrzeichen des Stadions ist das Dach, das wie eine Wolke schwerelos über dem Baukörper schwebt und das Stadion zu einer unverwechselbaren Landmarke macht. Es steht beispielhaft für hervorragende Ausführungsarbeiten und gute Projektabwicklung mit einem professionellen Projektteam. Verantwortlich für die Ausführungsarbeiten der Kalzip-Profile zeichnet der Verarbeitungsbetrieb B. Schlichter aus Lathen/Ems, langjähriges Mitglied im Industrieverband für Bausysteme im Metallleichtbau e.V. (IFBS) Düsseldorf und Träger des Qualitätszeichens.

Fischbauchfachwerk als Dachkonstruktion

Die besondere Herausforderung der gesamten Dachkonstruktion bestand in der exakten Anpassung des Dachschichtenpaketes an die Dachgeometrie. Hierzu waren passgenaue gerade, konisch zulaufende und knickgerundete Materialzuschnitte erforderlich. Hinzu kam die Verarbeitung von Materialüberlängen im Stahlbau.

Der Schnitt des Dachtragwerks hat die Form eines Fischbauchs, an dessen Kopfende die Bekleidung aus Kalzip-Profilen montiert wurde. Diese Dachrandausbildung inkl. der Dachrinne besteht aus Stahl und Aluminium-Kalzip-Profilen. Für die Montage der einzelnen Dachträger war ein Spezialkran mit einer Traglast von 400t im Einsatz.

Der gesamte Dachrahmen besteht immer aus zwei Teilen, es gibt einen gerundeten Teil, das so genannte Fischbauchfachwerk, ergänzt durch einen geraden Teil. Besonders kompliziert gestaltete sich die Montage des Dachschichtenpaketes, das in den Ecken und in den geraden Bereichen nach unten hin konisch abfällt. Die Verarbeiter wählten für diese Herausforderung die bewährten Kalzip-Bahnen aus Aluminium. Für die Unterbekleidung montierten sie ca. 800 m2 (Sonderbreite) 65/497/1,00 mm, gerade, in den Bahnlängen von ca. 2700 mm, polyesterbeschichtet im Farbton RAL 9001/RSL und ca. 800 m2 65/452-512/1,00 mm, konisch verlaufend, in den Bahnlängen ca. 2700 mm ebenfalls im Farbton RAL 9001/RSL.

Für die umlaufende Traufblende montierten die IFBS-Fachmon-teure ca. 900 m2 Kalzip-Bahnen 65/497/1, knickgerundet mit zwei geraden Enden im Radius ca. 600 mm und Bahnlängen von ca. 3500 mm, darüber hinaus 800 m2 65/X-Tail/l,00 mm, in derX-Tail-Ausführung „bauchig", knickgerundet mit zwei geraden Enden und einem Radius von 600 mm. Die Bahnlängen betrugen 3890 mm, alle Elemente sind polyesterbeschichtet in RAL 9001/RSL. Durch den Einsatz der x-tail-Aluminium Profile war es den Verarbeitern möglich, die Dynamik des architektonischen Entwurfs in den Baukörper zu übertragen. Ließen sich bislang Gebäudehüllen nur mit geometrischen Formen wie z. B. walzgerundet, konisch oder parallel, ausführen, ist mit dem innovativen Kalzip x-tail jede beliebige Form machbar.

Mechanische Befestigung mit System

Für die Verbindung der Kalzip Aluminiumprofile mit der Unterkonstruktion wurden spezielle Klipps verwendet. Die Montage der mit einer korrosionsfesten Aluminiumlegierung beschichteten Profile erfolgt durch eingebördelte Spezialklipps, ohne dass die Dachhaut durchbrochen wird. Auch bewirkt die Verbördelung eine kraftschlüssige, dauerhafte Verbindung. Optimale Regendichtigkeit ist somit gewährleistet. Die Klipps erlauben Schiebebewegungen, die für gewöhnlich bei Temperaturänderungen auftreten. Der Klippkopf ist so ausgebildet, dass er die Längenausdehnung der Profiltafel nicht behindert. Somit können auch große Bahnlängen eingesetzt werden.

Für die Befestigung der Klipps auf der 12 mm dicken Stahlunterkonstruktion und auf den HUT-Profilen arbeiteten die Monteure mit den bewährten rostfreien SDK-Bohrbefestigern von SFS intec, die ohne Tiefenanschlag und ohne Drehmomentkupplung verarbeitet werden können.

Architekturmembrane als krönender Abschluss

Den regendichten Dachabschluss bildet eine Konstruktion aus Ober-, Unter- und Schrägmenbranen. Die Obermembrane besteht aus hochreißfestem, kunststoffbeschichtetem Polyestergewebe, schwer entflammbar nach DIN 4102 B 1, mit einer Reißfestigkeit von 5750 N/0,05 m bis 5000 N/0,05 m. Die offenmaschige Unterkonstruktion ist mit einem Gittergewebe versehen. Insgesamt wurden oben und unten jeweils ca. 21000 m2 Architekturmembranen vorgespannt und an der Stahlunterkonstruktion mechanisch befestigt. Für die Eindeckung zur Stadioninnenseite hin wurden ca. 7140 m2 Polycarbonatschalen aus Makro-Ion verarbeitet. In Verbindung mit den Tragstrukturen aus Stahl konnte damit eine hoch beanspruchbare und dennoch filigrane Dachkonstruktion realisiert werden.

Quelle: "Stahlbau" 5/09


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