Mit Kind und Kegel

Das Freizeitzentrum Dankern bietet auf über 10.000m² aktive Freizeitgestaltung für die ganze Familie. Die neue Indoor-Erlebniswelt des Freizeitzentrums besticht durch einen Ausbau, bei dem virtuos gestaltete Oberflächen wechselweise die Illusion von Küste, Industrie und Burgverlies erzeugen.

Wenn es das Freizeitzentrum in Dankern nicht gäbe, müsste sich niemand an den Ort am linken Niederrhein in der Nähe von Emden merken. Doch dort ist es der Eigentümerfamilie  in über 20-jähriger Investition gelungen, eine Anlage aufzubauen, die ein attraktives Freizeitangebot für Familien mit Kindern und Jugendlichen alle Altersstufen bereit hält. Der soeben eingeweihte Erweiterungsbau, die sogenannte „Indoor-Erlebniswelt“, verdoppelt nun den überdachten Bereich des Zentrums auf 10.000m². Die Ideen für das neue Projekts stammen aus der Feder der Eigentümerfamilie, für deren Umsetzung in eine konstruktive Planung und Durchführung war das Architekturbüro Lübbering und Menke aus Haren verantwortlich.

Die Gebäudehülle der neuen Erlebniswelt ist von ausgesuchter Schlichtheit. Eine für den Industriebau bestimmte Halle, konstruiert aus Stahlträgern mit einem Dach und einer Wandverkleidung aus Trapezblechen, bildet die Hülle für eine Reihe neuer Angebote. Bevor diese allerdings eingebaut werden konnten, musste die Halle brandschutztechnisch ausgerüstet werden. F90 war gefordert. Dazu wurden 120m Träger- und 140m Stützenbekleidungen als Formteile geliefert. Karl Schlichter, Inhaber des ausbauenden Trockenbau-Unternehmens: „Die Formteile sind von Lafarge Gips geliefert worden. Bei so vielen gleichen Elementen macht es kaum Sinn, auf die Vorteile der Vorfertigung zu verzichten. Da wir bei den Formteilen schon seit Jahren erst mit Gyproc und seither mit Lafarge zusammenarbeiten, haben wir Herrn Struensee frühzeitig zur Beratung hinzugezogen und diesen anschließend um ein Angebot gebeten.“

Die Formteile aus speziellen Brandschutzplatten (LaFire) verkürzten die Bauzeit der Tat erheblich. Trotzdem dauerte die brandschutztechnische Bekleidung der Stützen und Trägern vier komplette Wochen.

Drei zusätzliche Angebote stellt der Erweiterungsbau für die Gäste zur Verfügung:

  • Eine Bowlingbahn
  • Eine Sportbar
  • Eine Diskothek

Die Sportbar lebt den Stil der Zeche Zollverein

Wer die neue Erlebniswelt besucht, stößt nach einem als Innenfassade gespalteten Vorplatz auf die sogenannte „Sportbar“. Sie ist zum einen als Gastronomiebereich gedacht, dient aber gleichzeitig sowohl der angrenzenden Discothek als auch der Bowlingbahn als Erschließungs-, Ausweich- und Aufenthaltszone.

Das Ambiente des Raumes versetzt den Besucher in das innere einer Industrieanlage des letzten Jahrhunderts. Leicht lässt sich das Vorbild der Zeche Zollverein in Essen wiedererkennen.

Die angrenzende Bowlingbahn nimmt flächenmäßig den größten Teil der Indoor-Welt ein.

Problematisch an der Anlage der Bowlingbahn war natürlich ihre Offenheit zum Barraum hin – eine mehr als schallintensive Lösung. Auf Anregung des Bowlingbahn-Lieferanten planten die Architekten eine Sägezahndecke, deren Stufen die Beleuchtungskörper aufnehmen und die dem rücklaufenden Schall genügend Prallfläche bietet.

Ausgeführt ist die Decke als Mineralfaserdecke (Futura 60; OWA) mit größtmöglichem Lochanteil. Karl Schlichter: „Bei der Bowlingbahn war es der Eigentümer, der diese Kombination aus Schifffahrt und Sternenhimmel wünschte. Der Ort Haren hat eine lange Schifffahrtstradition. Wir haben dem Planungsteam eine Mineralfaserdecke vorgeschlagen, weil sie uns mit ihrer geschlossenen Deckenfläche für die anschließende Oberflächengestaltung am besten geeignet schien. Schallschutztechnisch hätte man auch eine GK-Lochdecke bauen können aber dann hätte das Lochbild den Sternenhimmel zerstört.

Die Decke wurde in grundiertem Zustand montiert und anschließend von dem Airbrush-Künstler Christoph Hudson in Handarbeit koloriert. Dazu übertrug Hudson das vorgezeichnete Bild freihändig mit einer großen Spritzpistole vom Gerüst aus auf die Deckenfläche.

Doch reduziert eine solche Oberflächenversiegelung nicht die akustische Funktionsfähigkeit der Decke? Zu dieser Frage nimmt Peter Pföhler von Hersteller OWA Stellung: „Als die Fa. Schlichter mit dem Anliegen, die Decke anschließend einzufärben, auf uns zugekommen ist, haben wir die Futura vorgeschlagen. Ihr Absorptionsvermögen liegt bei 75%. Was den Farbauftrag der Airbrush-Anlage angeht, spielt das technisch in der gleichen Liga wie ein nachträglicher Anstrich. Durch die Größe der Deckenfläche liegt die Schallabsorption immer noch deutlich im geforderten Bereich. Die Reduzierung des Absorptionswertes durch den nachträglichen Anstrich wirkt sich bei der Decke kaum spürbar aus.“ Gefärbt wurde herkömmliche Wandfarbe, die der Künstler selbst angemischt hat.

Ein Tonnengewölbe für die Diskothek

Die an die Sportbar anschließende Diskothek ist aus Lärmschutzgründen mit einer Schutzschallwand aus zwei gekoppelten massiv gebauten Wandscheiben von der Sportbar getrennt. Ihr Inneres versetzt den Besucher mit engen Gängen, rohen Steinwänden und Fackellicht in das Kellergewölbe einer imaginären mittelalterlichen Burg.

Gestalterisch umgesetzt ist dieses Burg-Ambiente mit drei in Gipskartontechnik gebauten Tonnengewölben. Die größeren unter der Tanzfläche haben einen Radius von 2,08m, das kleinere im Gang 1,45m. Das Tonnengewölbe hat Lafarge Gips als Komplettbausatz geliefert.

Nachdem das Tonnengewölbe beplankt und die Oberfläche gespachtelt war, wurde die Oberfläche gestaltet. Unterschiedlich ist dagegen der Grad der Realitätsnähe. Im begehbaren Bereich sind die Wände geputzt und die Steine und Fugen dreidimensional herausgearbeitet, im Tonnengewölbe und im Deckenbereich sind sie von dem Künstler virtuos bemalt.

Über dem Tresen hat man allerdings auf die dort zunächst gewünschte Gipsplattendecke verzichtet, denn dort sollte die Lautstärke reduziert werden. Deshalb ist auch dort eine Futura-Mineralfaserdecke in Schwarz eingebaut. Als zusätzlicher Effekt wird die Decke durch LED-Glasfaserlicht in einem Sternenhimmel verwandelt. Josef Wollschläger, Bauleiter des Verarbeiterunternehmens: „Damit dieser Sternenhimmel realisiert werden konnte, musste die Decke erst einmal montiert werden, um dann die Platten wieder herunterzunehmen und die Glasfaser-Enden Platte für Platte von der Rückseite in die Platte einzuführen.“

Wer sich im Inneren der Erlebniswelt bewegt, für den ist die Illusion von Küste, Industriehalle und Kellergewölbe so perfekt, dass er sehr schnell vergisst, dass er sich eigentlich in einer schlichten Industriehalle bewegt.

„Mit diesem neuen Angebot ist Schloss Dankern für einen Familienurlaub noch attraktiver geworden“, lässt der Inhaber von Schloss Dankern, Baron Freiherr von Landsberg-Velen, zu dem Erfolg der Baumaßnahme ausrichten. 

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